KNORPELENTZÜNDUNG
(
Knorpelentzündungen) ICD10-Code: M94.8
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Als Knorpel bzw. Knorpelgewebe wird das aus Knorpelzellen (Chondrozyten) und verschiedenen Faserarten bestehende biegungsfeste, gefäß- u. nervenlose Stützgewebe bezeichnet.

Knorpelentzündungen werden auch als Chondritis bezeichnet entsprechend dem Hauptbestandteil des Gewebes, den Chondrozyten.

Eine schmerztherapeutisch bedeutsame Knorpelentzündung ist die sog. Kosto chon dritis, die Entzündung von Rippen knorpel am Übergang zum Brustbein (siehe weiter unten).

Da sich Knorpel hauptsächlich in Gelenk en befindet (der sog. Gelenk knorpel), führt eine Knorpelentzündung häufig zu Gelenkentzündungen und damit zu Gelenkschmerzen.

Allgemeiner Grundsätze zur Behandlung von (schmerzhaften) Entzündungen, also auch einer Knorpelentzündung:

Im menschlichen Blut gibt es potente Stoffe, die durchaus zur Abheilung einer Entzündung führen können, sofern der entzündete Bereich gut mit Blut versorgt ist, also gut durchblutet wird. Leider ist dies bei einer Chondritis nicht der Fall. Eine kausale (= auf die Ursache gerichtete) Therapie muß also vor allem die Durchblutung im entzündeten Bereich verbessern. Nun, es gibt kein Medikament, das die Durchblutung isoliert z.B. im Kniegelenk deutlich verbessert.
Dies gelingt aber zuverlässig mit schmerztherapeutischen Methoden im Rahmen der therapeutischen Lokalanästhesie, weil es bei einer Behandlung mit Lokalanästhetica (= oertliche Betäubungsmittel) neben der gewünschten Schmerz
ausschaltung auch zu einer Blockade der örtlichen, vegetativen Nerven kommt, woraus eine enorme Weitstellung der Blutgefäße mit entsprechender kräftiger Durchblutungssteigerung resultiert, die sog. Sympathikolyse. Eine jahrhundertealte medizinische Weisheit besagt, daß unter einer guten Durchblutung Entzündungen sicher abheilen.
Hinzu kommt, daß Lokalanästhetika
(= örtliche Betäubungsmittel) selbst auch entzündungshemmend wirken, dies ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.


Bei der Kosto chond ritis handelt es sich um eine Entzündung des Knorpels an den sternokostalen Übergängen
(= Übergänge vom Brus tbein zu den Ri ppen). Diese Knorpelentzündung kommt eher selten vor, sie tritt meist im Rahmen einer systemischen (= den ganzen Körper betreffenden) Erkrankung auf, so z.B. beim Mor bus Reiter (= reaktive entzündliche Systemerkrankung vorwiegend bei jüngeren Männern mit Entzündung der Bindehaut, Harnleiter und Gelen ke).
Die Behandlung erfolgt wie beim
Ti etze-Synd rom.

Manche Autoren bezeichnen auch das Ti etze-Synd rom als Kosto chondri tis, was aber im eigentlichen Sinne nicht ganz zutrifft, denn es liegt im Prinzip keine (echte) Entzündung vor.

Dem Tie tze-Synd rom liegen Störungen im Bereich der oberen sternokostalen Übergänge (= Übergänge vom Brustbein zu den Rippen) zugrunde, hervorgerufen durch synchondrosennahe (= nahe am Knorpel gelenk gelegene) Überlastungs- oder Ermüdungs(mikro)brüche, nicht selten nach einer Thorakotomie (= operative Eröffnung des Brust raumes).

In der Regel geben die Patienten mit Tie tze-Synd rom einen einseitigen, unspezifischen Brust- und Brustbeinschmerz an, überwiegend links, der bei Beschwerdezunahme auch in den linken Arm ausstrahlen und dann Herzbeschwerden vortäuschen kann. In vielen Fällen bestand bei Patienten mit einem Tie tze-Synd rom deshalb in der Vorgeschichte schon häufiger der Verdacht auf Herzinfarkt. Bei rechtsseitiger Beschwerdelokalisation kann es auch zu einer Schmerzausstrahlung in den rechten (Ober-) Arm kommen. Manche Patienten verspüren auch eine Schmerzausstrahlung in die linke Halsseite.
Vegetative Begleiterscheinungen, wie beschleunigter Puls und Hitzegefühl sind nicht selten und der Schmerzcharakter ist oft brennend oder glühend, also ganz im Sinne einer Sympathalgie
(= Schmerzen, ausgehend vom vegetativen Nervensystem) bzw. eines Quadrantensyndrom s (= vegetative Schmerzen im Bereich eines Körperviertels).
Beim Quad
rantensyndrom folgt die Schmerz ausbreitung nicht der segmentaler Ordnung der Nerven sondern mehr dem Verlauf eines größeren Blutgefäßes.
Nicht selten klagen die Patienten auch über Brustbeinschmerzen (Sternalgie), z.T. über in den gleichseitigen Halsbereich aufsteigende Beschwerden.

Bei der Untersuchung sind beim Tie tze-Synd rom schmerzseitige Rippenansätze am Brustbein deutlich druckschmerzhaft und erscheinen aufgetrieben. Bei stärkerem Druck können häufig die vom Patient berichteten Beschwerden im Br usttraum ausgelöst werden.

Die Behandlung des Tie tze-Synd rom`s ist einfach und überwiegend erfolgreich:
Bewährt hat sich die
Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) (z.B. Bupivacain 0,5%) in Form von wiederholten Infiltrationen (z.B. 2 mal täglich über 10 Tage) der schmerzhaften Rippenansätze am Br ustbein (evtl. auch mit Kortikoidzusatz).
Zur Vermeidung einer folgenschweren Verletzung des Mediastinums
(= Mittelfellraum, unter dem Brus tbein gelegen) empfiehlt es sich, die Kanüle (= Spritzennadel) nicht senkrecht zur Haut einzustechen, sondern stets in einem Winkel von ca. 45 Grad.
Wohltuend empfindet der (schlanke) Patient auch das Auftragen einer anästhesierenden
(= betäubenden) Salbe (z.B. EMLA®) oder auch ASS in Äther gelöst. Auch kann eine Iontophorese (= Einbringen eines Medikaments durch die Haut mit Hilfe eines elektrischen Stroms) mit z.B. Diclofenac hilfreich sein.
In hartnäckigen Fällen muß die beschriebene therapeutische Lokalanästhesie konsequent 2 mal täglich (auch am Wochenende) durchgeführt werden, was i.d.R. allerdings nur unter stationären Bedingungen durchführbar ist.
Als nächst höhere Therapiestufe kommt dann die wiederholte Stellatumblockade
(= das Ganglion stellatum ist eine Schaltstelle des unwillkürlichen Nervensystems im seitlichen Halsbereich) in Frage.
Vorübergehend ist auch beim
Tie tze-Synd rom die Verordnung eines tri- oder tetrazyklischen Antidepressivums (= Mittel zur Behandlung einer Depression) zur Schmerzdistanzierung sinnvoll, ebenso (vorsichtige) gymnastische Übungsbehandlungen zur Verbesserung der Thorax mobilität (= Beweglichkeit des knöchernen Brustkorbs).

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